Freitag, 26. September 2008

In einem Supermarkt *Satire 1.1*

Hingegen der weitläufigen Meinung verdient man mit dem Verfassen minderwertiger Lektüre nicht genug Geld, um sich damit den Unterhalt von Leibeigenen leisten zu können. Von daher zwingt mich mein ärmliches Dasein, meine Wochenendeinkäufe selbst zu erledigen.

Ein Industrieller (höhnisch): Hättest Du etwas Anständiges gelernt, dann hättest Du auch die nötige Kohle, um Dir Sklaven zu halten* harharhar*

Ja, da muss Ihnen leider beipflichten. So bleibt es mir an jedem 1. Samstag des Monats, wenn der Wonnemond den Zenit des 3. Berges überschreitet und die Wipfel der alten Ulmen am Grabeshügel meiner Väter in leuchtendem Purpur erstrahlen…

Der geneigte Leser (schreiend): WAS? Bin ich hier etwa im Zoo?

Nun gut, halten wir es literarisch einfach. Also, wenn die Stütze kommt, ist der Kühlschrank zuhause schon lange leer.

Der geneigte Leser (versteht): AHHH, jetzt ist es klar. Sozialhilfe, die kenne ich…

An besagtem Tage bleibt es mir nun nicht erspart, dem örtlichen Supermarkt einen Besuch abzustatten. Diesem Sündenpfuhl des modernen Kapitalismus kann auf Dauer niemand entrinnen.

Der geneigte Leser (schreiend): Dann friss doch Gras, Du Idiot…

Das bleibt zu überlegen. Hier noch eine Bauernweisheit:
„ Friss Heu und Stroh, das bringt Dich flott aufs Klo.“

Schon zu Beginn meiner Reise nach Sodomia (Ihr Einkaufsparadies am Rande der Wohlstandsgesellschaft) erwarten mich einige handelsübliche Widerlichkeiten. Pünktlich, wie jeden Samstag, steht Opa Knoschke auf den Stufen vor seinem Haus. Zu meinem Entsetzen trägt er wieder nur seine grau-grüne Wehrmachtunterhose von anno 1940. Da er sie augenscheinlich ungern wechselt, um das festzustellen, braucht man keine Spurensicherung, liegt die Vermutung nahe, dass sich dort eine seltene Form amöbischen Lebens gebildet hat.

Opa Knoschke(laut rufend): Moin Bursche! So früh wieder auf den Beinen? Wohl nix mehr zu fressen im Kühlschrank? * hohohoho*. Als wir damals in Russland waren, 40/41, da haben wir nur die Pferde gefressen, aber die waren schon 6 Wochen kaputt* hohohoho*, da hat sich auch niemand beschwert. Supermarkt, das kannten wir überhaupt nicht, das ist doch so eine Erfindung von Euch Burschen, die nicht gedient haben *hohoho*. Ich kann Dir sagen, wenn der Kamerad, der zwei Wochen vorher ne Granate in die Fresse bekommen hat, noch nicht gestunken hat, dann…*hohoho*, das war wie Weihnachten und Ostern zusammen! Das würde Euch Weichlingen auch nichts schaden.
Guck, da ist noch die Narbe von meinem ersten Bauchschuss, das war in Kursk, guck…guck…guck!

An diesem Punkt gelingt es mir meistens, das Gespräch durch einige freundliche Einwürfe schnell zu beenden. Beispiele hierfür sind: „ Jo, nächste Woche wird es wieder wärmer“, oder „ Jo, es ist eben nichts mehr so, wie es war…“ Opa Knoschke ist dann in der Regel sehr verzückt und widmet sich weiter der Suche nach seinem Dackel Alberich, der, wie jeden Samstag, gerade damit beschäftigt ist, vor meine Haustüre zu kacken. Dabei schaut er mich voller Hohn und Spott an. Was mag er in diesem großen Moment wohl denken?

Der Dackel Alberich (verächtlich): „ Du wirst mich nie daran hindern, vor Deine Tür zu scheißen. Noch in 1000 Jahren werde ich jeden und jeden Tag meinen Haufen dort abladen, wo er hingehört. Schau genau hin…Guck…Guck…Guck!“

Das Schließen der Autotür erspart mir Schlimmeres. Für einen Moment finde ich Frieden. Ruhe kehrt ein. Dann sehe ich Sie. Wie jeden 1. Samstag, wenn der Wonnemond den Zenit des dritten Berges…

Der geneigte Leser(schreiend): Bleib gefälligst beim Thema, Du Arsch…

Verzeihung! Also, wie jeden 1. Samstag im Monat geht Sie morgens sehr früh aus dem Haus. Bereits von weitem hört man den dumpfen Klang ihrer Oberschichtenstiefel über den dumpfen Pflasterstein hinwegschallen. Leicht und voller Anmut wellt sich Ihr langes blondes Haar über Ihre schmalen, zierlichen Schultern.

„ Ob Sie mich wohl heute grüßen wird? Vielleicht übersieht sie ja diesmal den Rost meines Autos, den Gestank meiner Armut, die Beule in meiner Hose, die ihre Ankunft bereits von weitem ankündigt, vielleicht…“

Wie immer an diesem Punkt werden meine Träume jäh unterbrochen! Vor ihrer Türe hält, wie jeden Samstag, ein riesiger Schlitten und aus dem Innenraum erschallt, auch wie jeden Samstag, der liebevolle, zärtliche Klang des Geldes, der ihre wunderschönen Brüste sanft umschmeichelt und der ihnen in der Vergangenheit bereits zu aufreizender Fülle verhalf.

Der Fahrer des Wagens (laut): Ähh, steig ein, Du Schlampe, ich habe keine Zeit, mach jetzt! Los!

Ja, Herr Stink-Reich kennt eben die magischen Worte, die ihm den Zutritt zum Herzen einer Frau verschaffen. Bar und Geld, das ist der liebkosende Zauber, der oft über kleine Zauberstäbe hinwegtröstet. Bevor ihr liebliches Haupt in den Fängen des Kapitals verschwindet, streifen Ihre Blicke zum letzten Mal die Meinigen. Wie ein Feuer brennen sich Ihre Gedanken in mein Herz

Die Schönheit (voller Herablassung): „Du wirst mich nie bekommen! Niemals! Schau, was Du verpasst! Ich habe Klasse, aber Du ...Guck…Guck…Guck…“

Voller Wehmut fahre ich los. Schon nach wenigen Minuten hänge ich hinter einem kleinwagenfahrenden Hutträger fest.

Kennen Sie diese Menschen, die sich selbst dann beharrlich weigern würden, ihre Kopfbedeckung abzunehmen, wenn sie in einem Schuhkarton fahren müssten?
Eine gewisse Boshaftigkeit kann man diesen Leuten ebenfalls nicht absprechen. Das werden Sie spätestens dann merken, wenn Sie einen Überholversuch starten. Trotz der zementierten 31 Km/h, die weder in Ortschaften noch auf Autobahnen überschritten werden, können Sie sich darauf verlassen, dass der Hutträger Mittel und Wege findet, Sie am Überholen zu hindern. Besonders beliebt ist hierbei das vorgetäuschte Abbiegen nach links. Hierbei setzt der Vorausfahrende an jeder möglichen Kreuzung den Blinker nach links, verlangsamt seine fahrt, blockiert den sich stauenden Verkehr, um dann schließlich doch geradeaus zu fahren und den rückwärtigen Verkehr an der auf rot umspringenden Ampel aufzuhalten. Er selbst schafft es natürlich noch bei dunkelgelb über die Kreuzung. Der Vorgang wiederholt sich dann noch insgesamt 31-mal, was dazu führt, dass Sie zum Zurücklegen einer 5 km Strecke gemütliche 62 Minuten benötigen.
Zum Abschluss einer solchen Blockade lassen diese Veteranen der beiden Weltkriege meistens die Scheibe herunter, um mit Hilfe des Führergrußes dem Hinterherfahrenden doch noch zu signalisieren, dass man überholen soll. Das endet dann natürlich in einer Radarkontrolle.

Behuteter Fahrer (lachend): Guck, das hast Du nun von Deiner scheiß Raserei! Guck..Guck!

Ich sehe noch, wie einige meiner Geldscheine winkend aus dem geöffneten Fenster schweben, um ihren Weg zum Ordnungsamt selbstständig zu suchen, bevor ich vor Schock ohnmächtig werde. Das Auto findet seinen Weg selbstverständlich alleine. Fragen Sie nicht, wieso das so ist, denn es ist eben so. Nach einigen Minuten werde ich dann durch den schrillen Klang einer Durchsage auf dem Supermarktparkplatz unsanft geweckt.

Durchsage(krächzend): Frau Schweins bitte die 3, Frau Schweins bitte..

Auf der anderen Straßenseite sehe ich ein Schild: „ Industriegebiet Golgatha! Wir freuen uns auf Ihren Besuch.“

Wie hypnotisiert falle ich aus der Türe meines Wagens. Noch etwas desorientiert möchte ich mir einen der letzen Einkaufswagen sichern. Doch leider unterschätze ich den Blockadewillen einer rüstigen Rentnerin mit Gehstock. Wie von einer Tarantel gebissen, spurtet sie von einem Ende des Parkplatzes zum anderen, um ALLE Einkaufswagen gleichzeitig blockieren zu können. Ihr höhnisches Grinsen bleibt mir nicht verborgen, als möchte sie mir sagen

Rentnerin(grinsend): „Guck, jetzt musst Du warten und Du wirst warten, bis ich eine Parkmarke gefunden habe. *Harharhar*…Guck…Guck“

Die Minuten vergehen, ohne dass etwas Entscheidendes geschieht. Die Pensionärin findet unterdessen einige interessante Dinge in ihren Taschen, allerdings nichts, was sie in die Lage versetzen würde, endlich einen Wagen aus dem Stellhaus zu lösen. Doch plötzlich geschieht etwas. Ihr Grinsen wandelt sich zu einem freundlichen Lachen. In mir erstarkt die Hoffnung, dass auch ich nun endlich einen Wagen lösen kann, um auf meinem Kreuzweg voranzukommen. Lächelnd dreht sich die ältere Dame zu mir um und lässt mich an ihrem Fund teilhaben.

Renterin(triumphierend): Sehen Sie, das ist mein Mutterkreuz, das wurde mir 43 nach der Geburt meines vierten Sohnes vom Führer persönlich verliehen. Mein Ältester war da schon Fähnleinführer in der Hitlerjugend. Möchten Sie vielleicht die Bilder sehen? Die habe ich nämlich zufällig dabei. Hier gucken Sie…guck…guck!

Nach weiteren 15 Minuten ist auch diese Folter endlich beendet und mich trennen nur noch wenige Meter von meinem Ziel, als ich einen kleinen Kobold mit einem Werbestand bemerke.
Leise zischt er mich von der Seite an.

Kobold (forsch): „Darf ich DICH kurz was fragen? Magst Du Tiere? Willst Du welche retten?“

Dankend lehne ich ab und merke dabei an, dass ich nur diejenigen Tiere mag, die sich mit Rotweinsoße servieren lassen. Leider zeigt dieser Spaß nur geringe Wirkung auf meinen Kobold.

Kobold(forsch): „ Du kannst auch Bäume retten, wenn Dir das lieber ist. Von mir aus auch Bäume aus dem Urwald, wenn Du Dich dann besser fühlen solltest…“

Meine freundliche Miene verfinstert sich. Ruhig, aber bestimmt, entgegne ich, dass man Bäume nicht mit Rotweinsoße servieren kann, und dass ich von daher noch weniger Interesse daran habe, sie zu retten.

Kobold(forsch und hüpfend): „Und was ist mit Kindern? Kinder will doch jeder retten! Es spielt doch keine Rolle, was Du rettest, die Hauptsache ist doch, dass Du hier am Stand
etwas unterschreibst, guck…guck.“

Nun sehe ich mir den Lästigen zum ersten Mal etwas genauer an. Aus seinen kaum volljährigen Augen glänzt bereits ein Vorstrafenregister, worauf sein lebenslänglich einsitzender Vater mit Sicherheit sehr stolz sein kann.

Vater im Knast (stolz): „ Das ist mein Sohn, der kommt ganz nach mir. Seine Mutter war ne billige Straßennutte, aber er…Guck!…Guck!…Guck!“

Das Zischen des Kobolds wird nun aufdringlicher. Ich bekomme es mit der Angst zu tun und fürchte um mein Erspartes. Verzweifelt versuche ich meinen Geldbeutel zu sichern, während der Boshafte ohne Unterlass schlimme Worte, wie: „kaufen…Vertrag…spenden…Kündigung…sofort…Kinder und Bäume…Walfische und Gorillas.…monatliche Zahlung…es gibt auch was zu gewinnen“, murmelt.

Wie aus einer Trance schrecke ich hoch, als der Vortrag zu ende ist. Wider mein Wissen hat meine Hand während des Sekundenschlafes irgendetwas unterschrieben. Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass ich meinen Geldbeutel die ganze Zeit fest umklammert hielt, sehe ich meine Bankverbindung auf sechs bis sieben verschiedenen Formularen auftauchen. Vor Verwunderung reibe ich mir die Augen. Als ich sie wieder öffne, ist der Kobold mitsamt seinem Werbestand verschwunden.

„ Habe ich das etwa alles nur geträumt?“ Ich setze meine Reise fort. Doch urplötzlich überkommt mich ein innerer Drang. Ein Gefühl, als ich müsste zerspringen, wenn ich mir nicht umgehend Erleichterung verschaffen sollte. Von den Kräften der Natur übermannt, eile ich zur nächsten Toilette. Dort erwartet mich bereits ein freundlicher und zuvorkommender Schimmelpilz. (Ja, auch Schimmelpilze können freundlich und zuvorkommend sein und nein, ich habe nichts getrunken)

Der Pilz hat eine kleine goldene Schale vor sich stehen, worauf mit großen Buchstaben folgendes zu lesen ist, „ Pissen, 1 Euro.“ Ich versuche mich ungesehen an dem Pilz vorbei zu schleichen, doch sein Geflecht versperrt mir die Türe und bemächtigt sich eigenwillig meines Geldbeutels. „ Hätte ich doch nur freiwillig gezahlt, dann wäre es mit einem Euro getan gewesen“, so aber sehe ich nur, wie der Schimmelpilz das Münzfach über seiner Opferschale entleert. Diese scheint auch keinen Boden zu besitzen, denn es ist egal, wie kräftig der Pilz meinen Geldbeutel ausschüttelt, sie wird nicht voll.

Als ich nun die Türe zum Klosett öffne, überkommt mich das Grauen. Der Gestank und die Dämpfe rauben mir in dieser lebensfeindlichen Umgebung fast die Sinne. In einer Ecke des Raumes liegen die Gebeine einer Putzfrau. Aus dem Grad ihrer Verwesung schließe ich, dass sie bereits seit Jahrzehnten dort liegen muss. Mühsam stelle ich mich an das Stehpissoire. Allerlei Lebensformen, die innerhalb dieser Schüssel seit Jahrhunderten eine friedliche Co-Existenz führen, versuchen nun mit mir in Kontakt zu treten. Aus ihren Bemühungen schließe ich, dass sie in mir eine Art wiedergeborene Gottheit sehen, die sie zu verehren versuchen.

Ich beende dieses makabere Schauspiel, indem ich die Spülung betätige und damit diese friedliche Kultur in ihrer gesamten Existenz auslösche. Während ich damit beschäftigt bin, öffnet sich erneut die Türe zu der kleinen Kammer. Erschrocken blicke ich hinüber, um zu sehen, was mich nun erwartet. Genau kann ich es jedoch nicht erkennen. Es sind einfach nur Berge von Fleisch und Schweiß, die sich an mir vorüberdrängen und erst neben mir an dem zweiten Klosette zur Ruhen kommen. Nun erkenne ich auch Schemenhaft so etwas wie eine dicke Hornbrille, eine Nase, ja, vielleicht sogar auch einen Mund. Das Gesicht wirkt freundlich, nicht strafend oder vorwurfsvoll. Die Ruhe wird durchbrochen, als der Fleischberg neben mir damit anfängt Geräusche von sich zu geben, die einer primitiven Form der Sprache recht ähnlich sind.

Der Fleischberg (grunzend): Prostata! Verstehst Du? Prostata! Guck!...Guck!

Was immer das auch heißen mag!

Der Fleischberg(triumphierend): „Aber heute lassen mir mal die ganze Brühe da! Guck!…Guck!…Guck! *hohohohoho“

Wie aus dem Nichts beginnt der Koloss zu furzen und zu pinkeln, wobei er teilweise sogar die Schüssel trifft.(Das lässt ihn gleich sympathischer wirken).Die Dämpfe des Geblähten rauben mir letztendlich die Sinne.

Als ich wieder zu mir komme, finde ich mich vor der Türe des Klosetts wieder. Die Erscheinung ist verschwunden. Vor mir steht lediglich das Pilzgeflecht und schüttet erneut den Inhalt meines Geldbeutels in seine Opferschale. Diesmal ist die Schale silbern und darauf ist zu lesen:

„ Auch wenn Du kommst heraus, schüttle Deinen Beutel nur ordentlich aus.“

Ich sehe nur noch einige Scheine in dem Höllenschlund versinken, bevor ich erneut das Bewusstsein verliere.

Hectate (kreischend): „ Der Nächste“
Hexen(im Chor): „Der Nächste“

Ich komme erneut zu mir und finde mich vor der Wursttheke wieder. Hinter der Theke sehe ich ein Gewirr von Leibern, die zuckend und kreischend um das Gebein eines geschlachteten Schweins tanzen. Ihre Anführerin versetzt mich in tiefe Angst. Ständig wiederholt sie schauerliche Beschwörungsformeln.

Hectate (geifernd): „ Darf es auch etwas mehr sein?…Haben wir nicht!…Der Nächste!…Das müssen Sie erst vorbestellen!…Leber gibt es nur montags!“
(Die übrigen Hexen wiederholen im Chor, was die Hectate sagt)

In der Reihe vor mir steht wieder die Rentnerin vom Parkplatz. Sie summt einige Kampflieder der SA vor sich hin. Ich wende mich von der Szene ab und hoffe, dass ich bald bedient werde. Unterdessen betrachte ich meinen Einkaufswagen. Darin finde ich viele Dinge, die ich niemals dort hinein getan habe. Ich bin verwundert, das muss alles während meiner Ohnmacht geschehen sein. Vorsichtig stelle ich einige Dinge, die ich nicht benötige, in das nächstgelegene Regel zurück, doch als ich wieder zum Einkaufswagen blicke, liegen genau diese Wahren wieder darin, als wären sie von Geisterhand dorthin gekommen. Entsetzt schaue mich um. Zwischen den Regalen sehe ich kleine Wichtel, die geschäftig hin und her eilen. Sie tragen kleine weiße Kittel und Namensschilder. Es scheint, als seien sie damit beschäftigt, heimlich Dinge in die Einkaufswägen zu füllen, ohne, dass es die Kunden bemerken. Als sie mich sehen, verschwinden sie wieder zwischen den Dosensuppen und den Fertiggerichten.

Ich widme mich wieder der Fleischtheke. Die Rentnerin ist immer noch nicht fertig mit ihren Bestellungen. Ungeduldig versuche ich dem Gespräch zwischen ihr und der Hectate zu folgen.

Rentnerin(überlegend): Bitte geben Sie mir EINE Scheibe Jagdwurst, aber bitte von der Guten. Nicht so dick, wenn es geht und machen Sie vorher bitte die Haut ab, das stört beim Essen.

Hectate: (gemeinsam mit dem Chor der Hexen): EINE Scheibe Jagdwurst

Ich bin fassungslos. Wie kann man nur eine Scheibe Wurst bestellen?

Rentnerin (unsicher): „ Ich hab es mir anders überlegt, geben Sie mir lieber ZWEI Scheiben Salami, aber bitte von der Geräucherten nach Holzfäller Art.

Hectate(gemeinsam mit dem Chor der Hexen): „ZWEI Scheiben Salami“

Irgendetwas Magisches scheint im Gange zu sein. Eine Art Beschwörung oder ein sonstiger Kult, den ich nicht begreifen kann. Der Raum um mich herum verdunkelt sich langsam. Grüne Nebelschwaden steigen aus dem Boden auf. Zwischen den Regalen tanzen fremdartige Irrlichter mit den Wichteln um die Wette und gaukeln mir dabei Sonderangebote vor. Diese Tänze wirken auf mich höchst Obskur, als kündigten sie etwas Großes, etwas Unglaubliches an. Die Hexen vollführen unterdessen allerlei unzüchtiges Gebaren. Eine reitet auf einem geilen Hammelbock umher. Es blitz und donnert von der Decke herab. Das Ritual scheint langsam seinen Höhepunkt zu erreichen. Die Tänze werden immer wilder und schamloser…

Rentnerin: „Oder hören Sie mal bitte, Fräulein. Geben Sie mir doch lieber DREI Scheiben Blutwurst. Aber bitte die Reduzierte.“

Hectate(mit dem Hexenchor): DREI Scheiben Blutwurst, es ist vollbracht. *Harharhar*

Die magischen Beschwörungen erreichen ihren Höhepunkt. Um mich herum erscheint alles verschwommen. Ich verliere erneut die Besinnung.
Als ich wieder zu mir komme sehe ich zunächst meinen Einkaufswagen. Er ist über und über beladen mit nutzlosen Dingen. Hinter mir höre ich noch, wie einer der Wichtel kichernd unter den Kartoffelklößen verschwindet. Ich versuche mich aufzuraffen. Meine Glieder schmerzen. Ich scheine mehrere Stunden zwischen den Senfgläsern gelegen zu haben. Mit letzter Kraft kralle ich mir einen der umherhüpfenden Wichtel, um ihn zu fragen, wie ich zu den Kassen komme.

Wichtel(boshaft): Ab hier noch 50m

Ich verstehe sein Rätsel nicht und Frage erneut.

„ In welche Richtung muss ich 50m gehen, nach links, oder nach rechts, wo bin ich überhaupt?“

Wichtel(noch boshafter): Ab hier noch 50m

Er entgleitet meinen fast tauben Händen und verschwindet im Einkaufswagen eines älteren Herren, der offensichtlich noch nicht genug eingekauft hat. Ich greife in meine Tasche, um herauszufinden, wie viel Geld mir der Toilettenpilz noch gelassen hat. Die Scheine und Münzen sind weg, das war abzusehen. Wo ist meine EC-Karte? Ich kann sie nicht finden. Ich muss sie zuhause vergessen haben. Das heißt, ich kann meinen Einkauf nicht bezahlen. Vor Schreck bleibt mir fast das Herz stehen. Die Erkenntnis, dass ich zahlungsunfähig bin, muss einen bösen Zauber bewirkt haben. Um mich herum wird alles unscharf und verschwindet im Nebel. Nach wenigen Sekunden sitze ich wieder in meinem Auto. War das etwa alles nur ein böser Traum. Ich greife zu meinem Geldbeutel. Er ist leer, jedoch habe ich nichts eingekauft. Mein Blick schweift zur Eingangspforte des Höllentempels. Es ist 20 Uhr. Unter mächtigem Getose schließt sich das Portal und versinkt im Erdboden. Am Montag wird es dort wieder auftauchen und neue Wanderer in seinen Bann ziehen. Bis dahin bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als zu warten

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Herr Fuchs ist wieder da! Endlich..Ein sehr gelungener Beitrag.Wann können wir Neues von Ihnen erwarten?